Leseprobe Band 1 – Ist Rotkäppchen noch zu retten?

Nie zuvor hatte ich Rotkäppchens Großmutter so außer sich gesehen! Ich war gerade erst zu ihr gekommen und sah sie wie eine Furie durch das Haus toben. Krachend schlug sie das Fleischerbeil in den Hackstock, als hätte sie ihren Feind direkt vor sich. „Ich hole mein Mädchen zurück! Dieser Wolf soll mich kennenlernen!“ schrie sie in glühendem Zorn.

„Ein Wolf hat Rotkäppchen erwischt?“, flüsterte ich zutiefst erschrocken. Ruckartig drehte sich Oma Rosalia zu mir herum, sie schien mich erst jetzt zu bemerken.

„Greta!“, ächzte sie mit Tränen in den Augen: „Vor ein paar Minuten saß ich noch gemütlich beim Frühstück am offenen Fenster, freute mich über das Vogelgezwitscher und die wärmenden Sonnenstrahlen und wartete auf Rotkäppchen.

Da flatterte plötzlich ihr Rabe herein, öffnete den Schnabel und wiederholte die drohenden Worte eines Wolfes:
‚Rotkäppchen, du kommst mir gerade recht – mit dir haben wir Wölfe noch eine Rechnung offen!’
Und darauf folgte ein schreckliches Geheul!“

Sie umarmte mich zitternd. Mir wurde ganz schlecht vor Angst! Ich wusste sofort, wovon die Rede war: Vor einiger Zeit hatte ein riesiger, böser Wolf Oma Rosalia und Rotkäppchen verschlungen. Nur das mutige Eingreifen von Omas Freund Konrad hatte beide gerettet.

Aus der Sicht der Wölfe war die Begegnung allerdings böse ausgegangen. Und nun hatten sie meine beste Freundin in ihrer Gewalt und forderten Rache!

Kein Wunder, dass Oma in panischer Eile Proviant und ihr größtes Küchenmesser in den Rucksack packte, die schweren Wanderstiefel anzog und aus dem Haus stürmte – wild entschlossen, ihr geliebtes Enkelkind um jeden Preis zu retten.

„Warte, ich komme auch mit!“ rief ich ihr nach. Sie wandte sich mit funkelnden Augen zu mir um und antwortete: „Das ist viel zu gefährlich! Lauf bitte sofort zu Konrad. Sag ihm, ich brauche dringend seine Hilfe – sein Hund Keon muss Rotkäppchens Spur finden. Ich kann nicht auf ihn warten, er wird mich schon einholen.“ Eilig marschierte sie davon und verschwand im dichten Wald.

In meinem Kopf war kein einziger klarer Gedanke, nur die Angst um Rotkäppchen und jetzt auch um Oma. Ich setzte mich ratlos auf die Bank vor ihrem Haus. Wo könnte wohl das Versteck der Wölfe sein? Wie sollten wir Rotkäppchen retten?

Fernes Gebell drang langsam in mein Bewusstsein – ich sprang auf: Das klang doch wie Keon! Wie der Blitz rannte ich los. Konrad kam mir freundlich winkend entgegen, aber nach ein paar Sätzen hatte er den Ernst der Lage verstanden und eilte mit Keon besorgt hinter Oma Rosalia her. Er wusste ja, wie gefährlich die Wölfe waren.

Konrad war ein guter Jäger, geschickt, mutig und stark. Seine Waffen waren Pfeil und Bogen und ein Jagdmesser. Ich war sehr froh, dass er und Keon Oma gegen die Wölfe beschützen konnten.

Langsam begann mein Hirn wieder zu arbeiten: Ich hatte Omas Auftrag ausgeführt und war jetzt wieder mir selbst überlassen. Würde ich einfach heimgehen und mit meinem Bruder Hannes angstvoll auf den Ausgang dieses Kampfes warten? Ganz sicher nicht! Meine beste Freundin brauchte meine Hilfe und zwar JETZT !!!

ENDE DER LESEPROBE – EIN GEFÄHRLICHES ABENTEUER BEGINNT…

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